Arendal Sound 1723 Monitor test, audiophile.no

April 13, 2017

Arendal Sound 1723 Monitor test, audiophile.no Arendal Sound 1723 Monitor test, audiophile.no

Arendal sound 1723 Monitor - Der grenzlose Regallautsprecher

Verfasser: Karl Erik Sylthe.

Arendal Sound entstand als brandneuer norwegischer Lautsprecherhersteller gerade mal vor einem Jahr. Und schon bei der Einführung haben sie eine komplette Produktreihe für Heimkino angeboten. Ich habe die Regallautsprecher 1723 Monitor etwas länger getestet und sie haben einen tiefen Eindruck hinterlassen...

Obwohl Arendal Sound eine ganz neue Marke ist, kommen sie nicht von ungefähr. Wer den Markt schon eine Weile verfolgt, erkennt die Verbindung zwischen dem Stadt Arendal und dem Händler L-Sound. Das stimmt auch: Der gleiche Jan Ove Lassesen, der die Fäden hinter den Kulissen bei L-Sound zieht, ist der unternehmerische Initiator der Arendal Sound Lautsprecher. Der Produktname offenbart ihn auch als “Vaterlandsfreund” von Arendal. Falls Sie sich fragen, wofür die Zahl 1723 steht: Es scheint das Gehäusevolumen in Liter anzugeben, aber 1723 ist eigentlich das Jahr, in dem Arendal als Stadt gegründet wurde.

Heimkino auf hohem Niveau

Die 1723 Reihe besteht aus neun Produkte und vier davon sind Subwoofer. Man muss sehr schlecht entwickelte Antennen haben, wenn Heimkino als klare Priorität für Arendal Sound nicht auffällt. Auch offensichtlich ist das Ziel, sich im Premiumsegment zu etablieren. Sie betonen die kompromisslose Verpflichtung zur Qualität als wichtiges Verkaufsargument. Mir stellt sich die interessante Frage, ob diese Lautsprecher auch eine gute Musikwiedergabe liefern.
Ich glaube, es wird künstlich zwischen Musik und Heimkino unterschieden. Wirklich gute Heimkino-Lautsprecher müssen auch Musik gut darstellen. Letztendlich geht es in beiden Fällen um eine präzise und neutrale Wiedergabe des Signals. Ein minderwertiger Lautsprecher mag es in Heimkino leichter zu haben, solange er genug Bass liefert.

Aber in dieser Klasse haben wir hohe Erwartungen und daher sollten die 1723 Lautsprecher eine hochwertige Musikwiedergabe ermöglichen.

1723 Monitor

Wir haben uns bereits vor einem Jahr über einen Produkttest unterhalten. Das Thema haben wir während des Horten Hifi-Show in Herbst fortgesetzt. Der Regallautsprecher hat mich aus irgendeinem Grund am Meisten interessiert. Vielleicht weil der 1723 Monitor der unkonvenzionellsten Aufbau hat, zumindest in Kombination mit dem 1723 Stand. Zusammen erreichen sie das gleiche Gesamtvolumen wie der 1723 Tower. Aber die Kombination aus 1723 Monitor und 1723 Stand ist für mich etwas eleganter. Auf der anderen Seite liegen sie preislich nicht weit weg vom 1723 Tower, und vielleicht bietet der 1723 Tower den besseren Klang, dank zwei zusätzlichen Tieftöner?

In Anbetracht der Größe des 1723 Monitors könnte man behaupten, Arendal Sound hat das Konzept “Regallautsprecher” nicht wirklich verstanden. Das sollten ja kleine Lautsprecher sein, die sich unauffällig im Dekor einblenden und im Schuhkarton paarweise geliefert werden. Aber Arendals Verständnis enthält ein Stück Geschichte: Vor wenigen Jahrzehnten waren große Regallautsprecher üblich, oft so groß wie der 1723 Monitor, nur vielleicht nicht so schwer. Lautsprecherständer waren dann niedrig, extra dafür ausgelegt. Solche Lautsprecher kamen tendenziell aus England...

Design

Die 1723 Serie weist weitgehend Merkmale eines hochkarätigen Heimkinosystems aus. Eine sehr feine Verarbeitung sorgt für das Premium-Gefühl. Es gibt trotzdem ein paar Details im Design, die es beim Vergleich mit der Konkurrenz und bezüglich Wohnraumtauglichkeit nicht zum Spitzenmodell schaffen. Wir sind hier nicht ganz auf dem Sonus Faber Niveau, wenn es um Design geht.

In dedizierten Heimkinos ist wahrscheinlich mattschwarz die bessere Wahl, während ich persönlich Klavierlack schwarz für das Wohnzimmer bevorzuge.

Qualitätseindruck

Wie bereits erwähnt, ist Qualität für Arendal ein wichtiges Verkaufsargument. Das wird sofort bestätigt, sobald man den Karton aufmacht und die weiße Handschuhe auf der Oberseite erscheinen. Auch wenn das Volumen bereits darauf hinweist, man kann die Lautsprecher nicht “mal unter dem Arm” transportieren, sind sie überraschend schwer. Offensichtlich liegt der Fokus auf einer soliden Konstruktion.

Auf der Rückseite befinden sich die attraktivsten und zuverlässigsten Lautsprecherklemmen, die ich bei Lautsprecher unter 10.000 EUR je gesehen habe. Sie sind aus Kupfer mit Rhodium-Beschichtung. Das sichert den optimalen Kontakt und diese Konstruktion gilt auch für die Brücken zwischen Hochtöner und Tieftöner.

Alles wird auf einer eloxierten Alu-Platte montiert, die dank großzügigen Dimensionen auch die Frequenzweiche auf der Innenseite beherbergt.

Aufbau

Der Arendal Sound 1723 Monitor ist ein Bass-Reflex Lautsprecher, aber er wird mit Stopfen geliefert und arbeitet dann laut Arendal Sound als geschlossenes System. Mit und ohne Stopfen liefert der Lautsprecher eine unterschiedliche Bass-Charakteristik. Als Bass-reflex liegt der -3dB Punkt des 1723 Monitors tiefer, fällt aber dann steil runter. Geschlossen fällt er sanfter und erreicht dadurch eigentlich tiefere Bässe. Laut Spezifikation hat man -3dB bei 58Hz wenn geschlossen und 34Hz als Bass-reflex, aber man muss sich auch den Frequenzverlauf ansehen, das kann viel ausmachen. Abhängig vom Raum, Aufstellung und Geschmack, wird eine oder andere Konfiguration besser passen. Ein Freund von mir sagt, Bass-Reflex ist an sich eine Fehlkonstruktion. Ich fange bei jedem neuen Test unvoreingenommen an.

Der 1723 Monitor ist ein 2-Wege Design und der 28mm Hochtöner übernimmt ab 1500Hz. Darunter arbeiten zwei 8” Tieftöner.

Die 28mm syntetische Hochton-Kalotte wird vom deutschen Dr. Kurt Mueller bezogen. Arendal Sound hat dafür einen Wellen-Leiter entworfen. Das ist eine Art Trichter, der die Ausbreitung der Klangwellen optimiert. Arendal betont insbesondere, dass der Hochtöner dadurch bis 1500Hz runter extrem belastbar bleibt.

Die zwei 8” Tieftöner enthalten ziemlich herkömmliche Papiermembrane. Mit zwei 8” Membranen erhält man einen sehr guten Bass, ohne den Verstärker besonders zu beanspruchen.

Die 24dB/Oktave Frequenzweiche 4. Ordnung ist eine Eigenentwicklung von Arendal Sound.

1723 Stand

Das hier ist ein sehr unkonventioneller Lautsprecherständer mit mehr Volumen als die meisten Regallautsprecher. Das gilt übrigens auch für das Gewicht, sogar bevor man ihn mit Quarzsand befüllt! Nach der Befüllung erreicht man die stabilste Fläche, die man sich für einen Regallautsprecher vorstellen kann. Insgesamt wird die Kombination sogar deutlich schwerer als der 1723 Tower! Wie das den Klang beeinflusst kann man nicht wirklich sagen…

Auf der Rückseite gibt es Gewindelöcher, um Stand und Monitor mechanisch zu verbinden. Der Stand dient auch dazu, den Lautsprecher leicht nach hinten zu neigen, ein wichtiges Designdetail. Dadurch sind beide Tieftöner nicht mehr gleich entfernt von der Hörposition, aber das hängt von der Höhe und der Distanz zur Hörposition. In der Theorie ist das nicht ideal. Auf der anderen Seite, konnte ich trotzt starke Bemühungen keinen Unterschied zu einer waagerechten Aufstellung feststellen - ein Test, den man in Anbetracht des Gewichts sehr vorsichtig angehen soll.

Testaufbau

Wir haben folgende Komponenten beim Testen des Arendal Sound 1723 Monitors verwendet:

  • Quellen:
    • Vinyl:
      • Thorens TD 160B Mk2 - Hadcock 228 - Sonus Blue Gold
      • Onkyo CP1050 - Ortofon 2M Bronze / Van den Hul DDT 2 Special
      • Vertere SG-1 Standard Groove – Ortofon Cadenca Black
    • CD / SACD:
      • Denon DCD2000AE
  • Streaming:
    • Linn Akurate DS/0
  • Verstärker:
    • Denon PMA-2500NE, Vollverstärker
    • Linn Kolektor, Vorverstärker
    • Linn LK100, 2 Endstufen

Wir spielen Musik

Angefangen wird mit einer Beschreibung des neusten Album von Leonard Cohen, “You want it darker”. Es wird aus TIDAL über Linn Akurat DS im verlustfreien Format gestreamt. Insbesondere der Titelsong hat einen sehr betonten Bass und beansprucht die Anlage stark. Trotzdem wird alles vom 1723 absolut mühelos gemeistert, während die restliche Eigenschaften vielversprechend bleiben. Auf dem Song “Treaty”klingt Cohens Stimme tiefer als ich sie je gehört habe, was diese Lautsprecher hervorragend darstellen. Die besondere Gitarre in der Intro von “Leaving the table” wird knackig und detailreich wiedergegeben.

Bei dieser Gelegenheit lassen wir die Neuauflage des “Fairy Tales” von Radka Toneff auf Schallplatte gegen TIDAL-Lossless antreten. Auf den frisch angekommen, exklusiven Plattenspieler Vertere SG-1 mit Cadenza Black schlägt die Schallplatte zu mit urigem Klang. TIDAL-Lossless muss sich aber nicht verstecken und kontert mit einem spitzenmäßigen Klang aus dem Linn Akurat DS. In beiden Fällen agiert der 1723 Monitor hervorragend und die Gänsehaut bei “The moon is a harsh mistress” sind garantiert.

Jan Gunnar Hoff hat gerade seinen Album Stories on 2L veröffentlicht und das Material kommt sowohl Pure Audio Blu-ray und SACD. Die Stereo-Spur auf SACD wird auf dem Denon DCD-2000AE abgespielt. Die Atmospäre der Sofienberg Kirche wird durch die 1723 in Stereo sehr gut dargestellt, auch wenn ich in der Regel die Mehrkanal-Versionen des Albums 2L bevorzuge. Die Furore von Jan Gunnar Hoff auf dem Piano wird auf diesen Songs sehr gut übermittelt. Im gesamten Album gibt es eigene Musikstücken und Hoffs Versionen von bekannten Songs in einem breiten, diffusen Spektrum von Jazz und Klassik bis moderner Musik. Seine Interpretation von “God only knows” finde ich besonders gut und erinnert mich an die unglaubliche Version der portugiesischen Jazz-Sägerin Maria Joao (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen portugiesischen Pianistin).

Eric Fridlanders “Oscalypso” bietet einen schimmernden Klang und der 1723 Monitor kann es mit einer fast gespentischen Perspektive und glänzender Dynamik wiedergeben. Hier ist ein Vergleich mit dem XTZ Master M2 sehr interessant. Die Perspektive ist mit den XTZ vielleicht noch etwas schärfer, aber die Makro-Dynamik und der Bassverhalten sind mit dem 1723 Monitor ausgezeichnet.

Überblick

Die vier oben beschriebene Alben-Beispiele sind natürlich nur ein Bruchteil der Musik, die wir während der Testzeit abgespielt haben. Als Zusammenfassung: Der Arendal Sound 1723 Monitor hat sich in meinen 50qm extrem gut geschlagen.

Ich fange an mit den Merkmalen, die zwangsläufig am Meisten beeindrucken. Kaum ein Lautsprecher in diesem Preisbereich wird mit dem Bass des 1723 Monitors annähernd mithalten. Aber wir reden hier nicht von einem dominanten Bass, der eine ausgewogene Wiedergabe behindert und sich im Vordergrund stellt. Es geht um präzisen Bass in bester Form und er klingt für mich mit Stopfen noch besser. Ein sagenhafter “Punch” wo es hingehört wird mit einem sehr ausgewogenen Sound kombiniert.

Einer der größten Vorteile der 2-Wege Konstruktion ist der nahtlose Übergang zum Mitteltonbereich. Eigentlich muss man sich um keinen Übergang kümmern. Sowohl Männerstimmen als auch Frauenstimmen werden hervorragend wiedergeben. Das gilt auch für Klavier und Streichinstrumente. Der Hochtöner erscheint manchmal etwas vorsichtig, aber ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich leiser als der Rest abgestimmt ist. Vielleicht deutet das nur auf eine Wiedergabe ohne betonte Frequenzen. Manche Leute bevorzugen eventuell mehr Hochton, damit die Mikro-Details noch klarer erscheinen. Aber mir hat der sehr ausgewogene Klang sehr gefallen.

Fazit

Arendal Sound hat mit dem 1723 Monitor einen sehr guten Lautsprecher erschaffen. Man findet kaum eine solche Kombination aus autoritativen, straffen Bass, mit Mitten und Höhen, die Radka Toneff oder Miles Davis elegant wiedergeben aber auch seidige Töne aus Bitches Brew oder “In the west” von Jimi Hendrix rausholen.

Arendal Sound hat hier eine klare Wahl in der Lautsprecher-Abstimmung getroffen. Manche werden es sehr mögen, andere Käufer suchen vielleicht nach Alternativen. Arendal Sound hat mit diesem Design viel Kompetenz gezeigt. Daher möchten wir Lassesen & Co. inspierieren, ein neues Modell zu entwickeln. Das könnte eine noch breitere Kundschaft gefallen und “wohnzimmerfreundlicher” sein. Es wäre ein Riesenerfolg!

Der 1723 Monitor von Arendal Sound besticht uns gewaltig als reiner Stereolautsprecher. Als Bonus, er ist auch ein hervorragender Heimkino-Lautsprecher!



1723 Series Vergleich Subwoofers
Ausführung
Tieftöner 13.8" 13.8" 2 x 13.8" 2 x 13.8"
Gehäusematerial High Density Fiberboard (HDF)
High Density Fiberboard (HDF)
High Density Fiberboard (HDF) High Density Fiberboard (HDF)
Verstärker Avalanche 500DSP - 500W RMS
Avalanche 500DSP - 500W RMS
Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
Gehäuse Geschlossen
Geschlossen / Bass-Reflex
Geschlossen Geschlossen / Bass-Reflex
Größe
49.2H x 33.5B x 45T cm
63.7H x 45B x 55T cm 54.2H x 42B x 50T cm 71.2H x 50B x 60.9T cm
Gewicht 24.5 kg 48.1 kg 41.4 kg 60.1 kg