Arendal Sound 1723 Surround 5.1 Test, Hemmabio

Februar 01, 2017

Arendal Sound 1723 Surround 5.1 Test, Hemmabio

Quantität und Qualität

Warum Arendal Sound? Das ist die Frage, die sie sich selbst auf ihrer Webseite stellen. Die Erklärung ist eine natürliche Folge aus L-Sound. Gegründet als Online-Handel in 2005, möchten sie jetzt eigene Produkte unter einer neuen Marke entwickeln und verkaufen.

Verfasser: Magnus Fredholm.

L-Sound wurde von Jan Ove Lassesen in 2005 in Arendal gegründet. Sein Vater hatte früher ein Elektrogeschäft und als Jugendlicher half Jan sowohl dort, als auch beim Fischverkauf bei seinem Großvater. Und wenn er Freizeit hatte, beschäftigte er sich mit seiner Stereoanlage.

Online durchweg

Als Jan Ove sein Studium abgeschlossen hatte, arbeitete er in der Ölindustrie bis es ihm klar war, dass er nur im Hifi-Handel glücklich sein konnte. In Arendal gab es keine Nachfrage, also hat er einen Webshop aufgestellt. Mit Begeisterung, Kompetenz und Service hat er sich einen sehr guten Namen gemacht, ähnlich wie die schwedische  hembiobutiken.se bei uns. Der Anekdote zufolge gab es zehn Jahren später eine nächtliche Skype Sitzung des L-Sound Teams und aus dem Brainstorming entstand Arendal Sound mit der ersten Lautsprecherserie: 1723. In diesem Jahr erhilt Arendal Marktrechte.

Das Gesamtpaket

Das getestete System besteht aus zwei sehr stabilen Regallautsprecher auf dedizierten Ständer, was in Kombination eigentlich Standlautsprecher ergibt, einen baugleichen Center und zwei Surroundlautsprecher, die sowohl einen  Direkstrahler als auch zwei 4” Vollbereich-Dipoltreiber besitzen. Die Summe ergibt einen “Tripol”. Obendrauf kommt einen entsprechend dimensionierten Subwoofer, um richtig Druck im Raum zu erzeugen.

Solide gebaut

Alle Arendal Sound Lautsprecher haben Gehäusen aus sogenanntem HDF. Dank beachtlicher Wanddicke und schwingungsdämpfender Innenverkleidung hört man keine unerwünschte Resonanzen.

Der Begriff HDF macht mich etwas skeptisch, denn laut z.B. traguiden.se wird HDF nicht in verschiedenen Wandstärken gefertigt (meistens nur für Haustüren) und es ist eigentlich nur dichteres MDF (bis  800 kg / m3), oft “premium MDF” genannt.

Das Design zeigt, Funktionalität geht vor und man kann bloß zwischen schwarz und weiß wählen. Die Mattausführung ist günstiger, und mattschwarz passt am Besten im dedizierten Heimkino, aber Klavierlack gibt es gegen 100 EUR Aufpreis pro Lautsprecherpaar.

Surround

Die massive, Rhodium-beschichtete Polklemmen aus Kupfer sitzen auf einer mächtigen Alu-Platte auf der Rückseite. Alle Modelle der 1723 Serie erlauben “Bi-amping”, ausser dem Surround-Lautsprecher, der stattdessen als Dipol-, Tripol- oder Monopol-Lautsprecher angeschlossen werden kann.

Auf der Rückseite befinden sich auch eingelassene Metallgewinden für die Verbindungsplatte zwischen Monitor und Stand. Der Surround hat eine Ausparung auf der hinteren Unterseite, die als Kabelauslass bei bündiger Wandmontage fungiert. Auf der Rückseite des Monitors und des Centers befinden sich zwei Bass-Reflex Öffnungen mit zwei Stopfen. Somit hat man die Wahl zwischen geschlossen und Bass-Reflex. Geschlossen klingt es trockener und kontrollierter. Als Bass-Reflex gibt es deutlich mehr Tiefbass. Nach unserem Test steht fest, Arendal 1723 klingt geschlossen am Besten!

Die Stands

Die Monitors sind keine Standlautsprecher und haben keine Füße, also haben wir sie auf die 1723 Stands (€650/Pair) angebracht. Dann wird aus dem Monitor ein ausgewachsener Standlautsprecher! Auf der Oberseite des Stands gibt es einen abnehmbaren Metalldeckel, um den Stand zu befüllen. Man kann Blei, Sand oder sonst etwas nehmen, solange man ihn zuhause noch bewegen kann. Das ergibt dann einen sehr stabilen Ständer! Das Design und Aufbau des Stands stimmt mit dem Monitor überein, inklusive Verstrebungen, nur ohne Innenverkleidung aus Dämpfungsmaterial.

Treiber und Frequenzweiche

Auf der Frontseite finden wir hier sehr ungewöhnliche 8” Treiber mit beschichteten Papiermembranen und CCAW Schwingspulen für eine Kombination aus gute Leitfähigkeit und minimales Gewicht. Eine aufwändige Konstruktion sorgt für eine bestmöglich symmetrische Aufhängung, d.h. Mit der gleichen Auslenkung in beiden Richtungen. Das ist bereit offensichtlich beim Betrachten der externen Aufhängung (Gummisicke) und der inneren Aufhängung (Zentrierspinne), sowie der Kabel zwischen Schwingspule und Anschlussklemmen. Der 8” Treiber ist magnetisch geschirmt in allen Modellen, vor allem wegen der Luftfracht-Bestimmungen.

Die Frequenzweiche enthält wirklich beeindruckende Bauteile und trennt bei tiefen 1.5kHz mit 24dB/Oktave. Der 28mm Hochtöner sitzt in einem tiefen Wellenleiter und spielt wie ein Horn ab 1.5Hz, aber nicht als Kompressionstreiber. Im Treiber wurde eine weiche Kalotte verbaut und der runde Wellenleiter ist aus schwarz eloxiertem Alu. Alle Lautsprecher kommen mit einem gebogenen Metallgitter, verfeinert durch einer Stoffbespannung. Dieses Gitter und die matte Ausführung wirken im Heimkino sehr unauffällig.

“Eins der ambitioniertesten Lautsprechersets, dass wir in den letzten Jahren gesehen haben”

In den Gehäusen finden wir nicht nur große Verstrebungen und Dämpfungsmatten, sondern auch zwei Sorten Isoliermaterial : Flockige, lose Wolle und feste, dämpfende Wolle. Beide Sorten ergänzen sich und liefern ein besseres Ergebnis, als wenn man nur eine Sorte einsetzt.

Subwoofer

Der Subwoofer 2 ist der mittlere Subwoofer in der Arendal-Familie. Wir haben uns auch für ihn als angemessene Wahl in unserem 25qm Raum entschieden. Es handelt sich um ein geschlossenes Gehäuse mit 13.8” Treibern auf beiden gegenüberstehenden Seiten, die von einem 1kW Verstärker namens Avalanche DSP gesteuert werden.

Die Schallwände sind 50mm stark und die restliche Wände, 25mm. In Kombination mit der großzügigen Abmaße und den gegenüberstehenden Treiber, ergibt das ein Gehäuse, das selbst bei brachialen Pegeln kaum vibriert.

Auf der Unterseite gibt es eingelassene M6 Innengewinden für die mitgelieferten Gummifüße. Man kann aber natürlich auch andere Füße nach Wunsch verschrauben.

Der Verstärker hat die übliche Knöpfe für Lautstärke, Phase und Trennfrequenz, sowie ein Schalter für eine Bassanhebung auf Position 1 (etwa 9dB bei 23Hz). Die Trennfrequenz geht von 40 bis 160Hz und arbeitet wie erwartet.

Einrichtung

Das System wurde einsatzbereit geliefert, d.h. wir haben die empfohlene 50 Stunden Einspielzeit für optimale Wiedergabe gespart. Wir haben mit der Aufstellung des 1723 Monitors angefangen und verschiedene Positionen getestet. Man kann einen Arendal 1723 fast nie schlecht aufstellen, sie klingen nie “komisch”. Sobald wir festgestellt haben, dass wir sie geschlossen betreiben wollten, haben wir unsere “Standardposition” für Frontlautsprecher ausgewählt.

Der Center ist wirklich groß und schwer. Man muss ihn besonders vorsichtig aufstellen. Er ist aber so unkritisch in der Positionierung wie die Monitors und daher haben wir ihn mit etwas Neigung unter unserer Leinwand gestellt.

Wir haben die Surrounds als Direktstrahler getestet, 30° eingewinkelt links und rechts hinter der Hörposition; und als Tripol direkt links und rechts von der Hörposition. Wichtig dabei ist, es gibt einen rechten und einen linken Lautsprecher: Wenn man sie vertauscht anbringt, ein 4” Treiber wird die falsche Phase haben. Die 4” Treiber, die nach hinten zeigen, müßen 180° Phasendrehung haben. Die Anderen müßen mit den Hauptlautsprecher in Phase sein. Für eine 7-Kanal-Konfiguration, muss man die L und R hintere Lautsprecher vertauschen, damit die Phase der seitlichen Treiber immer mit dem “Nachbartreiber” übereinstimmt.

Und was ist mit dem Subwoofer? Wir haben ihn zunächstmal auf unsere “Standardposition” kurz getestet und dann einfach nicht mehr an ihn gedacht, bis wir ihn vermessen haben.

Gedanken und Philosophie

Die L-Sound Bande ist offensichtlich schon länger im Geschäft und jeder Mitglied hat einen etwas anderen Hintergrund. Vielleicht betonen sie deswegen das Ziel der 1723 Serie so vehement: Sie wird jedem gefallen.

Niemand soll je den Eindruck gewinnen, Arendal 1723 ist nur für Rock, oder Klassik, oder Jazz bestimmt. Und die Kunden können stolz auf die Entwicklung sein, egal ob Treiber, Gehäuse oder Trennfrequenz. Ich muss die gesamte Geschichte nicht erzählen, aber die Lektüre auf deren Webseite lohnt sich definitiv.

Ist an das alles etwas dran, oder sind das nur Vertriebsprüche? Obwohl Arendals Geschichte etwas idealisiert und geschmückt erscheint, muss ich nach einem Monat mit den Arendal 1723 gestehen, dass sich keine Einzelheit als unzutreffend erwiesen hat. Es gibt hier und da eine kleine Übertreibung, aber alles stimmt mit unserer Arendal Erfahrung überein und muss einfach wahr sein.

Dynamik und Detail

Ich gebe es zu: Mein erster Film nach Einrichten des Systems (mit dem Center auf -3dB und alle andere Lautsprecher auf 0dB) war kein UltraHD Film. Es war nicht mal ein Blu-Ray! Ich habe mich für den ersten Kapitel des Films Ice Age 2 entschieden. Eine kleine Erinnerung für diejenige, die den Film nicht wöchentlich schauen: Hier findet das kleine Eichhörnchen (oder was das auch immer für ein Tier ist…) seine Eichel auf der vertikalen Wand eines riesigen Gletschers. Die Wand wird undicht und zerfällt letztendlich.

Mich haben die Mikro-Details fasziniert, als das Eichhörnchen auf dem Eis lief, und als das Wasser sprühte. Alles hörte sich so feucht, so realistisch, dass ich schon dachte, ich werde auch nass.

Der Subwoofer zeigte sich, als der Gletscher zusammenbrach. Er hat die Luft in dem Raum sehr straff kontrolliert, aber ohne vom Filmgeschehen abzulenken.

In der nächsten Szene spielen  viele Tiere aus der Vorzeit auf Eisrutschen in einer Art “Eiszeit-Vergnügungspark”. Sid leitet die Kindertagesstätte und kümmert sich um eine Gruppe respektloser Jungtiere. Hier merke ich wie gut die Dialoge klingen. Sowohl sanfte Stimmen als auch lautes Geschrei können klar und deutlich differenziert werden. Man kann das Gespräch entspannt und problemlos folgen.

Jetzt wird es Zeit für etwas moderneres. Wir nehmen mal wieder “Transformers: Ära des Untergangs” und fangen diesmal mit Kapitel 3. Das Wasser bleibt stillt und die Libelle fliegt rum mit einem solchen klaren, natürlichen Klang, wie wir selten gehört haben. Die mechanische Geräusche als das Wasser bricht werden realistisch und spannend dargestellt.

Wir erleben das Gleiche, als die Mini-Drohnen freigesetzt werden, und als Titus Welliver die Zerstörung des Schornsteins mit dem versteckten Transformer befiehlt, und insbesondere als Rachet,nach Verlust eines Beines, um sein Leben bettelt. Alles klingt sehr realistisch und wir kommentieren jetzt Details, die wir früher nicht wahrgenommen haben. Dadurch klingt diese so oft “durchgekaute” Szene wirklich wie eine Neuentdeckung!

Leise Geräusche und heftige Explosionen, Dialog und Musik, alles wird sehr dynamisch und erfrischend, transparent dargestellt. Die Zwilling-Treiber  mit ihren 13.8” Membranen beherrschen problemlos den Bass tief bis 20Hz.

Wir haben eine Szene dreimal hintereinander geschaut: Der Anfang von “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit”. Erst mit dem Yamaha Vorverstärker auf -30dBref, dann auf -15dBref und schließlich voll aufgedreht auf 0dBref, was natürlich extrem laut ist. Selbst so laut konnten wir jedes Detail raushören und sogar bei leisen -30dBref hat die Szene Spaß gemacht. Anders gesagt: Laut oder leise spielt keine Rolle, Arendal 1723 liefert sowohl Quantität als auch Qualität egal bei welchem Pegel!

Und was ist mit Musik? Ich muss schlicht gestehen, Musik macht genauso viel Spaß sowohl in “Mehrkanal-Stereo” für eine außergewöhnliche Sound-Party, als auch in “Pure Direct” mit den Monitor 1723 ohne Stopfen.

Die Abstimmung der Klangfarben hat uns während des Tests gar nicht beschäftigt, denn sie ist einfach makellos! Wir haben alle Anschlussvarianten der Surrounds getestet und als Tripol haben sie uns alle am Besten gefallen. Sie liefern dann eine hervorragende Kombination aus Positionierung der Soundeffekte und Größe der “hintere Bühne” ohne Ortbarkeit der Lautsprecher.

Solide gebautes System und Riesenklang

Das Arendal 1723 System ist nicht für jeden, aber wenn Sie kein Problem mit beträchtlich großen Lautsprecher und ein wirklich fetziges Heimkino-Erlebnis suchen, muss Arendal Sound definitiv auf der Einkaufsliste sein. Das ist Eins der ambitioniertesten Lautsprechersets, dass wir in den letzten Jahren gesehen haben. Extrem dynamisch und so detailreich, dass man die Filme noch intensiver erlebt. Diese Lautsprecher werden viele Arendal-Anhänger gewinnen, insbesondere Kunden aus der Car-Hifi oder Live-Audio Szene.



1723 Series Vergleich Subwoofers
Ausführung
Tieftöner 13.8" 13.8" 2 x 13.8" 2 x 13.8"
Gehäusematerial High Density Fiberboard (HDF)
High Density Fiberboard (HDF)
High Density Fiberboard (HDF) High Density Fiberboard (HDF)
Verstärker Avalanche 500DSP - 500W RMS
Avalanche 500DSP - 500W RMS
Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
Gehäuse Geschlossen
Geschlossen / Bass-Reflex
Geschlossen Geschlossen / Bass-Reflex
Größe
49.2H x 33.5B x 45T cm
63.7H x 45B x 55T cm 54.2H x 42B x 50T cm 71.2H x 50B x 60.9T cm
Gewicht 24.5 kg 48.1 kg 41.4 kg 60.1 kg