Arendal Sound 1723 Surround 5.1 Test, Lyd&Bilde

November 09, 2016

Arendal Sound 1723 Surround 5.1 Test, Lyd&Bilde

Schallpegel aus der Hölle

Heimkino auf diesem Niveau bietet so viel Unterhaltung wie absoluten Wahnsinn

Geir Gråbein Nordby
04.11.2016

Vor einem Jahr hatte ich nichtmal von Arendal Sound gehört. Jetzt ist der Name tief in mein Gedächnis eingeprägt. Ich habe schon lange nicht mehr eine solche gewaltige, knallharte Bühne gehört. Der Subwoofer ist größer als ein Durchschnittskühlschrank und er schickt donnernde Stoßwellen durch den Raum, reißt die Hosenbeinen, hämmert auf den Körper. Und das ohne Hinterherhinken! Zu den Lautsprecher: Man mag sie "Monitor" für ihre Form nennen. Sie sind aber so groß, sie passen nicht auf unseren speziellen Regalen als hintere Lautsprecher und wir mussten provisorische Ständer bereitstellen. Wenn man 8-Zoll Treiber haben will, wird die Gehäusegröße vorgegeben. Umso mehr gilt das für die Frontmonitoren und baugleichen, liegenden Centerlautsprecher, die zwei 8-Zoll Treiber besitzen. Es lohnt sich für die mühelose Brutalität, unerhört große und gewaltige Dialoge, sowie volle Kontrolle des gesamten Klangbindes, von Kanonenschüsse bis Vogelgezwitscher. Aber ich bin zu schnell. Denn was ist Arendal Sound und wer steckt dahinter?

Norwegische Marke

Hinter der Marke steht der norwegische Importeur L-Sound aus - richtig geraten - Arendal, in Norwegen. Sie haben viele Jahre eng mit kleinen, aber starken Firmen wie Ken Kreisel, Definitive Technogoy und SVS zusammengearbeitet und bei der Gelegenheit viel Fachwissen gesammelt. Diese wertvolle Erfahrung über was funktioniert und was nicht haben sie bei der Gründung von Arendal Sound in 2015 mitgenommen.

"Es gab ein paar Lieferprobleme, Irrtümer und fehlende Vorhersehbarkeit. Manche L-Sound Lieferanten konnten nicht so schnell wachsen und das hat die Qualität betroffen. Daher wollten wir etwas besonderes unter unserer vollen Kontrolle starten" - sagt Gründer und Vertriebsleiter Jan Ove Lassesen.

Nur das Beste

Bei Arendal Sound steht der Fokus auf bestmögliche Preis-Leistungsverhältnisse im Markt. Das heißt große Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad und niedriger Distortion, ohne bei der Komponentenauswahl oder Verarbeitung zu sparen. Die Gehäuse sind zum Beispiel aus HDF (High Density Fiberboard), anstelle MDF. Das Material ist zwar deutlich teuerer, aber das resonanzarme Verhalten lonht sich laut Arendal Sound und resultiert in weniger Klangverfärbungen und mehr Dynamik.

Wir hätten mit MDF viel Geld sparen können. MDF ist gut, aber HDF kann den Klang noch mehr verbessern. "Wir haben Prototypen aus HDF und MDF direkt verglichen und das Ergebnis war eindeutig: HDF verbessert die Dynamik und die Lautsprecher spielten lebvoller" - sagt Jan Ove mit Überzeugung.

 

Teuer aber bezahlbare Lösungen

Ein Großteil der Arendal Sound Quintessenz besteht darin, teuere Lösungen mehr Leuten zur Verfügung zu stellen, ohne einen 10-fachen Aufpreis bei jedem Qualitätssteigerung in der Entwicklung und Produktion zu verlangen.

"Wir fertigen kostenbewusstes High-End. Aber wir mussten uns vom billigsten Niveau entfernen. Bei der Fertigung eines Centerlautsprechers um die 5000 NOK (etwa 550 EUR) muss man extrem auf Qualität verzichten. Aber bei einem Endpreis um die 8000 NOK (etwa 900 EUR) kann der Hersteller viel Geld in gute Bauteile investieren" - sagt Jan Ove.

"Der Einsatz von Titten Tei-Elkos in der Frequenzweiche ist in der Tat nicht gut" - sagt Bjorn Erik Forberg lächelnd. Er ist der neue stellvertretende Leiter bei L-Sound und hat bei der Entwicklung der neuen Lautsprecher mitgewirkt. Bjørn Erik, auch bekannt als BEF, ist eine vertraute Figur in der norwegischen Hi-Fi und Heimkino-Szene: die extreme Begeisterung für dein Heimkino ist ihm sicher nicht fremd.

Große Lautsprecher

Arendal Sound Lautsprecher sind groß, wie bereits erwähnt. Das erlaubt einen guten Wirkungsgrad selbst im Bassbereich. Wir haben den 1723 Monitor erhalten, der irgendwie die Form eines Regallautsprechers zugegebenermaßen aufweist, aber deutlich größer als jeder Box, den man auf einem "Bücherregal" stellen würde. Das Gehäuse hat Bass-Reflex Öffnungen, abe rauch Stopfen für den geschlossenen Betrieb, den Arendal Sound empfiehlt.

"Das geschlossene Gehäuse liefert verbesserte Dynamik" - sagt Jan Ove - "der Tiefbass kommt aus den Subwoofer".

 

Gewaltiger Subwoofer

Wenn man schon eine neue Lautsprecherserie testen will, die Hochleistung und Schnelligkeit verspricht, nimmt man natürlich den größten Subwoofer. Und der Subwoofer 3 ist groß: 70 cm hogh, 60 tief und 50 breit. Anders gesagt, es reicht nicht wenn man einfach eine Blume im Topf auf dem Subwoofer stellt und hofft, er wird nicht mehr wahrgenommen.Mehr als 60Kg Gewicht sind auch eine Herausforderung beim Auspacken und Aufstellen.

Zwei 13.8" Tieftöner spielen in einer so genannte "Push-Push" Anordnung, d.h. sie drücken in zwei gegenseitige Richtungen, was die bereits niedrige Resonanzen aus dem HDF Gehäuse noch weiter reduziert. Das Gehäuse hat zwar eine Bass-Reflex Öffnungen, aber der geschlossene Betrieb mit dem mitgelieferten Stopfen wird für den ausgewogensten und straffsten Bass empfohlen. Wenn Sie noch mehr Erdbeben und Kraft im Tiefbassbereich wollen, können Sie ihn natürlich als Bass-Reflex ohne Stofen betreiben und die 17Hz erreichen. Glauben Sie mir, das ist nicht nötig.

 

In China gefertigt

Die Lautsprecher werden in China gefertigt, wo Prototypenbau und Produktion unter einem Dach stattfinden. Das soll dafür sorgen, dass die Produktion nicht verschlampt. Laut Jan Ove werden alle Bauteile extra für Arendal Sound gefertigt, keine Ware von der Stange.

Der Klang des Arendal Sound Ungeheuers

Wie in der Einleitung erwähnt, spielt Schallpegel eine große Rolle bei Arendal Sound. Deswegen muss jeder Lautsprecher einen Belastungstest bestehen, bei dem er einen ganzen Tag 200Watt rosa Rauschen wiedergeben muss. Das sind in etwa 600-700Watt Musikleistung und um die 117-118dB Lautstärke. Anders gesagt, verdammt laut!

Deswegen machen wir uns keine Sorgen, als wir die Lautsprecher an unseren Verstärker anschliessen: Eine leistungsstarke Hegel H30 Endstufe (ca. 500W an 4 Ohm) für die Fronts, eine gebrückte H30 für den Center mit etwa 1500W und eine H20 für die Surrounds (2x350W an 4 Ohm). Das ist eine fette Anlage über 20.000 EUR wert, mit einem Yamaha CX-A5100 als Prozessor.

Wir spielen die 4K Version von Deadpool auf einem Panasonic DMP-UB900 und schauen das Bild des JVC DLA-X5000, wärend wir uns auf die Prügel vorbereiten.

Kampfszenen, Explosionen, Stahlgeklirr und die Soundeffekte der Darsteller beim rumfliegen klingen so derb und brutal, dass selbst unsere THX Procella Referenzlautsprecher diesem Schallpegel gar nicht gewachsen sind. Der mächtige Arendal Subwoofer 3 kann den ganzen Raum zum Beben bringen und dabei locker bleiben. Die Dialogue klingeln quer durch den Raum mit Körper und Volumen bis zu den tiefsten Klangfarben aus der Brust, während die Sprachverständlichkeit glasklar bleibt. Da die große Arendal Lautsprecher nicht auf THX Spezifikation getrimmt sind, trennen wir sie ruhig bei 60Hz anstatt 80Hz für einen fülligeren, satteren Klang.

Beim Einschalten unserer Martin Logan SLM Deckenlautsprecher stellen wir fest, die Tonspur dieses Filmes ist in einer Atmos-Konfiguration sogar einhüllender. Arendal bietet keine Lautsprecher für flache Montage. Man kann z.B. die 1723 Surrounds an die Decke anbrigen, wenn man sie wirklich gut befestigt... Sie wiegen über 17 Kg/Stück!

Akustische Musik

Diese Lautsprecher sind nicht nur für Film geeignet und können auch sehr wohl Musik wiedergeben. Dynamik ist der Schlüssel. Bei der Wiedergabe von Rockmusik mit mächtigen Gitarren schlagen die Lautsprecher zu und bilden eine unglaubliche Soundwand. Hier erkennt man die gute Abstimmung aller Lautsprecher untereinander, denn man könnte die Surrounds als Frontlautsprecher verwenden. Auch wenn niemand sowas machen würde, denn der Monitor liefert eine bessere Stereobühne und mehr Kontrolle dank doppelte 8" Tiefmitteltöner.

Mehrkanal-Musik füllt mühelos den Raum. Der Klang bleibt zusammenhängend von Lautsprecher zu Lautsprecher und die Instrumente werden gut abgebildet und geortet.Wir hören Wild Mountain Boys von Hoff Ensembles Quiet Winter Night, mit Sondre Bratlands großer, unverwechselbarer Stimme.Die Musikdarstellung der Arendal Sounds ist größer und massiver als ich gewohnt bin. Der Kontrabass donnert durch den Raum und Jan Gunnar Hoffs Klavier klingt irgendwie männlicher. Die Lautsprecher gehen im Frequenzgang bis ganz oben und der Hochtöner liefert Funken und Einsatz.

Aber das ist nicht der raffinierteste Lautsprecher, den ich gehört habe. Arendal Sound hat eine sehr lebendige Bühne, wie Live-Musik, roh und ungeschönt. Wer eine engelhafte Darstellung von Sarah McLachlan und Kate Bush erwartet, wird etwas Luft und Farbtöne im obersten Register vermissen. Der Hochtöner sitzt in einem trichter-förmigen Wellenleiter, der die Dispersion wie ein Horn beeinflusst, und somit auch den Klang. Das Gehäuse ist wirklich so stabil, dass man sich die Fingerknöchel wund klopfen kann. Trotzdem habe ich das Gefühl, es gibt eine Resonanz im tiefen Gesangregister, die den Klang etwas verfärbt. Es klingt nicht hart, aber auch nicht richtig seidenweich.

 

Das ist nicht schlimm, insbesondere bei Rock und Hip-Hop. Einfach Rage Against the Machine oder System of a Down voll aufdrehen und Luftgitarre schnappen!

 

Ein passender Verstärker

Diese Lautsprecher sind nicht besonders leistungshungrig und man braucht keinen Top High-End Verstärker. Selbst mit einem Yamaha RX-V781, ein 670 EUR AVR, habe ich viele der Vorteile dieser Lautsprecher genossen. Natürlich erreicht man nicht den gleichen Schallpegel und wahnsinnige Kontrolle wie mit Verstärker, die eine Leistungsangabe in KW aufweisen. Deswegen empfehle ich einen Verstärker um die 1500 bis 2200 EUR als hervorragender Begleiter, z.B. der RX-A3060 oder der Pioneer SC-LX701.

Fazit

Wir haben nicht oft die Gelegenheit, solche unglaublich brutale Heimkinoanlagen wie diese zu testen. Arendal Sound nimmst die Bühne und setzt sie mitten im Raum. Insbesondere der Subwoofer hämmert und schüttelt den ganzen Körper lose ohne Anstrengung. Ich befürchte, die Gegenstände fallen gleich aus den Regalen. Die extreme Dynamik ist immer bereit für den Angriff und bleibt immer sanft wenn sie soll. Die Dialoge im Film sind groß, satt und mächtig. Die umhüllende Bühne bildet sich nahtlos rundum zwischen den Lautsprecher.

Egal ob Stereo oder Mehrkanal bleibt Musik immer unterhaltsam. Es ist unglaublich, was man für das Geld hier bekommt. Wir sprechen hier von gerade mal über 5550 EUR für das ganze Set, das ist mehr als günstig. Wir können uns für das Geld kein besseres Erlebnis vorstellen.

Es gibt in der Tat noch raffiniertere Lautsprecher, die mehr Nuancen hervorheben und eine besser Wahl sind, wenn man nur Harfen und Geigen hört. Aber wenige Lautsprechersysteme bis 10.000 EUR kommen nah an diese ausgewogene Kombination von gewaltigem Schallpegel, guter Tonalcharakteristik und extrem realisticher Wiedergabe.

Lyd & Bilde sagt

+ Diese Lautsprecher schlagen brutal und hart, während sie dann ruhig bleiben, wenn das gefragt ist. Der Klang ist straff, stark und herrlich, mit einer tollen Stimmenwiedergabe und einem besonders brachialen Subwoofer, der den ganzen Raum schüttelt. Und sie rocken!

- Man kann auch raffiniertere Lautsprecher finden.



1723 Series Vergleich Subwoofers
Ausführung
Tieftöner 13.8" 13.8" 2 x 13.8" 2 x 13.8"
Gehäusematerial High Density Fiberboard (HDF)
High Density Fiberboard (HDF)
High Density Fiberboard (HDF) High Density Fiberboard (HDF)
Verstärker Avalanche 500DSP - 500W RMS
Avalanche 500DSP - 500W RMS
Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
Gehäuse Geschlossen
Geschlossen / Bass-Reflex
Geschlossen Geschlossen / Bass-Reflex
Größe
49.2H x 33.5B x 45T cm
63.7H x 45B x 55T cm 54.2H x 42B x 50T cm 71.2H x 50B x 60.9T cm
Gewicht 24.5 kg 48.1 kg 41.4 kg 60.1 kg