Arendal Sound 5.1 System Test, Heimkino

August 14, 2017

Arendal Sound 5.1 System Test, Heimkino

Arendal 1723-Set: Newcomer aus Norwegen mit extremem Klangpotenzial

Verfasser: Michael Voigt, Heimkino. Lesen Sie die Originalfassung hier.

Kultivierte Power

Im hohen Norden, genauer gesagt im beschaulichen Städtchen Arendal an der norwegischen Küste, hat sich ein kleines Team zum Ziel gesetzt, erstklassige Lautsprecher zu fairen Preisen zu produzieren. Wir haben der in Deutschland noch unbekannten Marke Arendal auf den Zahn gefühlt. „Noch eine Lautsprecher-Marke?“ Das war tatsächlich mein erster Gedanke, als Jan-Ove Lassesen – Gründer und CEO von Arendal Sound – mit unserer Redaktion einen Termin zur Vorstellung der für uns neuen Lautsprechermarke Arendal machte. Doch selten habe ich mich so sehr getäuscht, denn bereits der erste Kontakt mit einem Monitor-Lautsprecher aus der Arendal-1723-Serie verblüffte mich gewaltig. Satte 25 Kilogramm bringt ein Exemplar eines Frontlautsprechers für unser 5.1-Surround-Set auf die Waage, bei Abmessungen von rund 27 x 63 x 40 Zentimetern. Eine exzellent gemachte Lackierung aus kratzfestem schwarzen Mattlack und perfekt gerundete Gehäusekanten sind ein weiterer Beweis, dass es sich bei Arendal um eine Marke handelt, die großen Wert auf ernst zunehmende Qualität legt.

Norwegian Wood?

„Made in China“ steht auf dem Karton der Arendal-Produkte; der Herstellungs-Ort ist kein Geheimnis, denn wie bei 90 % aller UE-Produkte ist auch für Arendal die Fertigung in Fernost aus Kostengründen unabdingbar. Wichtig allerdings ist der Fakt, dass die komplette Entwicklung und das Produktdesign im norwegischen Arendal stattfinden. Auch werden nicht irgendwelche Standard-Treiber aus dem Regal verwendet, es werden alle Komponenten der Arendal-Lautsprecher eigens entwickelt und nach hohem Standard gefertigt. Apropos Standard: Um maximal steife und praktisch resonanzfreie Gehäuse zu erhalten, setzt Arendal bei den Gehäusewänden auf das extra-dichte und massive Material HDF (High Density Fiberboard) anstelle der üblichen MDF-Platten. Auch sorgen besonders dicke Wandstärken und zusätzliche Verstrebungen im Gehäuse-Inneren für noch akustisch ideale Gehäuse. Wahlweise sind alle Arendal Lautsprecher außer in der schwarzen Matt-Lackierung auch in Hochglanz erhältlich, je nach Vorliebe in Schwarz oder Weiß.

Arendal 1723

Falls es interessiert: Die Handelsrechte für das Städtchen Arendal wurden im Jahr 1723 erstmals urkundlich erteilt, daher nannte das Team um Jan-Ove Lassesen die erste Produktserie der Arendal-Lautsprecher genau so: 1723. Wie schon erwähnt ist der Monitor Speaker Dreh- und Angelpunkt unseres 5.1-Sets, der identisch bestückte und lediglich als liegender Speaker gedachte Center 1723 entspricht daher in allen Belangen exakt den Monitor 1723 für den linken und rechten Kanal. Bei der Bestückung der Monitore (und Center) haben die Norweger in die Vollen gegriffen und gleich zwei Exemplare eines leistungskräftigen Tiefmitteltöners mit 170-mm-Membran eingesetzt. Grundsätzlich sind die Monitor-Speaker als Bassreflex-Speaker ausgelegt, zwei Reflexrohre findet man auf der Rückseite der Lautsprecher – allerdings liegen den Lautsprechern jeweils passende Schaumstoff-Stopfen bei, die aus den Reflexgehäusen geschlossene Gehäuse machen können. Dies wird sich im Hörtest tatsächlich noch als spannender Aspekt erweisen. Für eine dynamische Hochtonwiedergabe setzt Arendal große 28-mm-Seidenkalotten ein, die zur besseren Abstrahlcharakteristik über einen recht großen Trichter angekoppelt sind. Dieses Hochtonhorn verbessert zudem den Wirkungsgrad der Hochtonkalotte und sorgt daher für eine enorme Dynamik in den oberen Frequenzen. Übrigens: alle Arendal-Lautsprecher sind mit soliden Bi-Wiring-Klemmen ausgestattet, jeweils zwei massive Metallbügel verbinden ab Werk die beiden Klemmen-Paare, falls man typischerweise einfache Kabelverbindungen nutzt. Diese Klemmen und Bügel sind aus rodiumbeschichtetem Kupfer gefertigt und sind daher extrem leitfähig und zusätzlich gegen Korrosion bestens geschützt. Passende Lautsprecher-Ständer für die Monitore hat Arendal ebenfalls im Programm: die sandbefüllbaren Stands mit stabilen Traversen-Füßen aus Metall passen optisch perfekt zu den Monitoren und sind der perfekte Standort für den linken und rechten Kanal im 5.1.-Set. Der Kostenpunkt für die massiven Standfüße liegt bi etwa 650 Euro pro Paar.

Triaxial Surround-Speaker

Für echten Heimkino-Sound gehören klassischerweise Dipole für diffusen Surroundsound dazu. Arendal bietet mit den „1723 Surround“ die passenden Spielpartner. Mit demselben Hochtonhorn und einem 170-mm-Tieftöner wie die Frontsysteme bestückt, passt dieser Surroundspeaker tonal bestens zum Set. Dazu befinden sich an den beiden schrägen Außenseiten der Surroundspeaker jeweils ein Breitband-Treiber mit 80-mm-Membran, daher nennt Arendal seinen Rear-Speaker „Triaxial-Speaker“. Schlussendlich ist dieser Lautsprecher ein leistungsfähiger Rear-Speaker, der sowohl dynamisch als auch tonal perfekt zu den Frontsystemen passt.

Mächtig Bass

Drei verschieden große Subwoofer hat Arendal im Programm, für unser Test-Set haben wir uns für das größte Modell der Subwoofer-Serie entschieden. Der „Subwoofer 3“ ist ein wirklich beeindruckender Vertreter seiner Gattung: 60 Kilo Gewicht, Abmessungen von 50 x 70 x 60 Zentimeter und zwei ausgewachsene Tieftöner mit 300-mm-Membran in Back-to-Back-Anordnung sprechen eine eindeutige Sprache. Dieser riesige Bassreflex-Woofer wird durch eine 1.000 Watt starke Endstufe befeuert, die definitiv mehr als genug Power für eine beeindruckende Performance liefern kann. Dank der Back-to-Back-Anordnung der beiden Treiber in der linken und rechten Gehäuse-Seitenwand eliminieren sich geschickterweise störende Gehäuseresonanzen. Die wären allerdings bei dem extrem massiven Gehäuse sowieso sehr gering ausgefallen. Eine Fernbedienung oder gar parametrische EQ bietet der Arendal-Subwoofer leider nicht, lediglich zwei Sound-Einstellungen für etwas mehr oder weniger Tiefbass sind per Kippschalter auswählbar. Dafür ist jedoch als Option der Verschluss der riesigen Bassrefl exöffnung mittels Schaumstoffstreifen möglich, die aus dem kräftigen Bass-reflex-Monster einen eher dezent spielenden, sehr präzisen Woofer im geschlossenen Gehäuse machen.

Labor und Praxis

Sowohl Frontsysteme als auch Center liefern im Messlabor einen beachtlich linearen Frequenzgang ab: Die Abweichungen vom Ideal liegen selbst unter Winkeln von 30° bei maximal -3 dB – grandios! Die untere Grenzfrequenz der Monitore und Center liegt bei etwa 60 Hertz, fast könnte man diese Systeme ohne Subwoofer betreiben. Doch ohne den Arendal 1723 Sub 3 wäre es wirklich schade, denn dieser Bolide liefert unverzerrten Schalldruck bis weit über 115 dB (0,5 Meter Abstand) und einen mehr als beachtlichen Tiefgang bis ca. 25 Hertz. Ebenfalls sehr erfreulich sind die sehr geringen Verzerrungen aller Komponenten des Sets. selbst bei hohen Pegeln liegen k2 und k3 weit unter kritischen Werten. Das Impulsverhalten der Arendal-Speaker ist exzellent – oberhalb 800 Hertz sind praktisch keine Nachschwinger oder Resonanzen erkennbar. Ebenso gut schlägt sich der norwegische Newcomer-Set im Hörtest. Den Action-Streifen „John Wick“ haben wir noch nie derart knackig und präzise in unserem Testkino gehört. Mit enormer Dynamik und ungebremster Power kann das Arendal selbst komplexe Sound-Situationen glasklar auflösen und einen realistischen Raumklang erzeugen. Dabei verblüfft der Subwoofer mit einer extrem tief reichenden Basswiedergabe, die richtig in der Magengegend grummeln kann, bei gleichzeitiger Präzision und auf den Punkt genau gesetzten Dynamik-Attacken. Verschließt man die Bassreflexports der Arendal-Speaker mit den mitgelieferten Schaumstoff-Stopfen, geht zwar etwas Mächtigkeit im Tiefbass verloren, doch die vorher vorhandene Präzision bei Impulsen gewinnt noch mal um einiges mehr. Schon fast beängstigend realistisch ertönen Gewehrschüsse oder Explosionen, hier stimmt einfach alles auf den Punkt genau – einfach genial!

Fazit

Mit dem 1723-Set hat Arendal ein echtes Highlight für Heimkino-fans geliefert. Extrem dynamisch, auf den Punkt spielend und tadellos verarbeitet, ist das Arendal-Set eine echte Empfehlung für ambitionierte Filmfans. Preislich profitiert der Arendal-Kunde zudem durch den Direktvertrieb der Produkte ohne Zwischenhändler – der Preis-Leistungs-Faktor der Arendal-Produkte ist daher ebenfalls exzellent. Von wegen: Schon wieder eine neue Lautsprecher-Marke – Arendal hat mit der 1723-Serie eindrucksvoll bewiesen, dass es immer noch ein wenig besser geht!

Ergebnis

  • Klang (70%): 1+  (12/12)
  • Dynamik/Lebendigkeit (15 %): 0,8 (12/12)
  • Tiefbasseigenschaften (15 %): 0,8 (12/12)
  • Tonale Ausgewogenheit (10 %): 0,9 (12/12)
  • Detailauflösung (10 %): 1,1 (10/12)
  • Zusammenspiel (10 %): 1,0 (11/12)
  • Hörzone Center (10 %): 1,1 (10/12)
  • Labor (15%): 1,0 (11/12)
  • Frequenzgang (5 %): 1,0 (11/12)
  • Verzerrungen (5 %): 1,0 (11/12)
  • Pegelfestigkeit (5 %): 0,9 (12/12)
  • Praxis (15%): 1,0 (11/12)
  • Verarbeitung (5 %): 1,1 (10/12)
  • Ausstattung (5 %): 1,1 (10/12)
  • Bedienungsanleitung (5 %): 0,9 (12/12)
  • Fazit

    • + exzellente Verarbeitungsqualität
    • + maximale Dynamik
    • + präzise Impulswiedergabe

    Referenzklasse, Überragend, 1+

    Lesen Sie die Originalfassung hier.



    1723 Series Vergleich Subwoofers
    Ausführung
    Tieftöner 13.8" 13.8" 2 x 13.8" 2 x 13.8"
    Gehäusematerial High Density Fiberboard (HDF)
    High Density Fiberboard (HDF)
    High Density Fiberboard (HDF) High Density Fiberboard (HDF)
    Verstärker Avalanche 500DSP - 500W RMS
    Avalanche 500DSP - 500W RMS
    Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
    Avalanche 1000DSP - 1000W RMS
    Gehäuse Geschlossen
    Geschlossen / Bass-Reflex
    Geschlossen Geschlossen / Bass-Reflex
    Größe
    49.2H x 33.5B x 45T cm
    63.7H x 45B x 55T cm 54.2H x 42B x 50T cm 71.2H x 50B x 60.9T cm
    Gewicht 24.5 kg 48.1 kg 41.4 kg 60.1 kg